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Rundungen in Gelb und Grün Künstler gestaltet für ev. Lutherkichengemeinde zwei Häuserfassaden

WAZ 01.04.2003 Lokalausgabe Essen
Von Paul Binder

Altendorf. Offenporiger Kratzputz klingt nicht gut, und jetzt kommt er auch weg. Die evangelische Lutherkirchengemeinde gönnt den Häusern an der Ohmstraße 2 und 4 nicht nur einen neuen Anstrich, sondern Kunst am Bau. Immerhin wird die Christuskirche gegenüber bald 100 Jahre alt, und wer sie künftig verlässt, blickt auf warmes Gelb, Grün und Orange.

Die neuen Fassaden sind Ergebnis einer konzertierten Aktion, und grob gesagt, hat sie drei Väter: Der Dortmunder Maler und Bildhauer Robert Kaller hielt im Essener Forum "Kunst und Architektur" einen Vortrag über künstlerische Fassadengestaltung". Björn Zerres vom Büro Stadtentwicklung, verantwortlich für die Schatulle des Förderprogramms zur Innenhofbegrünung und Fassadenerneuerung, hörte zu, fand das Ganze spannend und lud Kaller nach Altendorf ein, den Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf.

Kaller, der in Bonn und Stuttgart Bildhauerei, Malerei und Pädagogik studiert hat, sah viel Grau, darunter besagten Kratzputz der dreigeschossigen Häuser an der Ohmstraße. Nummer 4: ein Vorkriegsgebäude, hier und da verziert mit Rundbögen und Türmchen. Nummer 2: ein Nachkriegsbau von 1952, hochgezogen, als Geld für Annehmlichkeiten fehlte. Kaller und Zerres war klar: Hier könnte es schöner aussehen. Wie, besprach der Künstler mit Pfarrer Hans Strohschein. Sie einigten sich auf warme, freundliche Farben, wie man sie im Frühjahr und Sommer mag.

"Wenn man etwas Schönes macht, spricht es das Schöne im Menschen an", beschreibt Kaller die Philosophie seiner Projekte. Er legte dem Presbyterium drei Entwürfe vor. Einmal erschienen die Fassaden in Ocker- und Terrakotta-Tönen, umspielt von Ornamenten. Dann wählte der Dortmunder Geld und Orange, durchbrochen von waagerechten und senkrechten Linien. In seinem Siegerentwurf greift Kaller "die wunderbaren Rundungen im Inneren der Kirche auf. Mit den Linien entsteht eine aufnehmende Gebärde, ähnlich einem Kelch."

14 Immobilien besitzt die Lutherkirchengemeinde in Altendorf, die beiden Wohnhäuser sollen nicht die letzten sein, die verschönert werden. "Wir haben uns zuerst für diesen Platz entschieden und ein paar Euro dazu getan", sagt Pfarrer Strohschein und untertreibt damit bescheiden. 25 000 Euro kosten die neuen Fassaden, 9000 Euro davon gibt Björn Zerres aus seinem Fördertopf. Der Ort ist aber ein zentraler, entsprechend bewertet die Gemeinde ihre Investition. Auf ihrer Verschönerungsliste stehen unter anderem noch Häuser an der Körner-, Helenen- und Griepenstraße.

Bis zu 50 Prozent des Verschönerungs-Preises kann Zerres übernehmen. 15 Anträge hat er für 2003 bereits bewilligt, weitere sechs seien "entscheidungsreif". Es scheint, als leerten sich die Fördertöpfe schneller als erwartet. Zerres sieht das positiv: "Immobilienbesitzer müssen nicht immer nur herumjammern, sondern können auch selber etwas tun."

Nun steht Kaller mit seinen beiden Assistenten auf dem Gerüst und streicht die gereingten und grundierten Flächen, danach folgen fünf bis sechs Lasurgänge mit Silikonharzfarben. Bis zum nächsten Freitag, verspricht er, soll alles fertig sein. Am Sonntag beginnen die Festwochen "100 Jahre Christuskirche" um 10.45 Uhr mit einem Familiengottesdienst.

Mit seinen Referenzen kann sich der Künstler überall sehen lassen. In Dortmund gestaltete er elf Objekte im Brückstraßenviertel um, befreite es von seinem Schmuddelimage, Umsätze der Ladenbesitzer und Wohnungsmieten stiegen. Kaller: "Es kommen sogar Busse aus dem Sauerland, um sich die Häuser anzuschauen."

Wer sich für das Förderprogramm interessiert, sollte sich an Björn Zerres wenden, Büro für Stadtentwicklung im Treffpunkt Altendorf, Kopernikusstraße 8, 88-88 776.