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Des Geheimen Rats Lehre der Farben

Thüringische Landeszeitung, 3. 8. 2004

Goethe-Galerie zeigt Goethes Hauptwerk

Von Stephan Laudien
"Goethes Farbenlehre – heute", so heißt eine Ausstellung in der Goethe-Galerie, die gestern eröffnet wurde. Noch bis zum 14. August zeigt die Literarhistorische Gesellschaft "Palmbaum", wie Goethe seine Farbenlehre entwickelte. Der Dichterfürst hielt diese Lehre für sein Hauptwerk; hingegen wurde er von Physikern und anderen Naturwissenschaftlern dafür ausgelacht, die Farbenlehre als "Entgleisung" angesehen. Jens-Fietje Dwars der Kurator der Ausstellung erläuterte gestern, dass Goethe in Jena an seiner Farbenlehre gearbeitet habe. "Im fruchtbaren Disput mit seinem Freund Schiller", sagte Dwars. Die beiden Dichter ordneten beispielsweise den verschiedenen menschlichen Temperamenten Farben zu. Die dabei entstandene "Temperamentrose" wurde erst in Goethes Nachlass gefunden. Zu den Glanzstücken der Schau gehört die erste Ausgabe der "Propyläen", jener Kunstzeitschrift, die der Geheimrat von 1798 bis 1800 in Jena edierte. Weiter gibt es einfache Seh-Experimente zu den Komplementärfarben.
Die Nachwirkung der Farbenlehre Goethes zeigt die Innenraumgestaltung der Jenaer Waldorfschule ebenso wie die Arbeiten Robert Kallers. Der Dortmunder Fassadenkünstler hat im Ruhrgebiet triste Industrie- und Hausfassaden in Oasen des Lichts und der Farben verwandelt. Auf Fotographien sind die Arbeiten Kallers in der Ausstellung zu seben.
Voraussichtlich am 19. August wird Robert Kaller im Romantikerhaus über seine Arbeiten berichten. Im Romantikerhaus läuft übrigens ebenfalls eine Ausstellung zur Farbenlehre, eine "schöne Ergänzung", wie Jens-Fietje Dwars sagte. Der Kurator hofft, dass sich in Jena vielleicht ein Wohnungsunternehmen für Kallers Arbeiten begeistern lässt.