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Am Sonntag eröffnet in Kairo die erste deutsche Auslandsuniversität

Geburtsstunde eines Hochschul-Modells

Südwest Presse, 4. 10. 2003, Willi Böhmer

Forschung und Lehre nach deutschem Vorbild sollen ein Exportschlager werden: Bundeskanzler Gerhard Schröder und Ministerpräsident Erwin Teufel eröffnen am Sonntag mit dem ägyptischen Staatspräsidenten Hosni Mubarak in Kairo die erste deutsche Auslandsuniversität.

KAIRO/ULM

Das gab es bislang nicht in der bundesdeutschen Hochschulgeschichte: Der Polymer-Physiker Ashraf Mansour promoviert und habilitiert an der Universität Ulm, kehrt in seine Heimat Ägypten zurück, sucht Investoren und gründet in einem modernen Viertel der 17-Millionen-Metropole Kairo eine private Hochschule mit deutschem Lehrplan und Professoren auch aus Ulm und Stuttgart. Am Sonntag wird die German University Cairo (GUC) mit einem Staatsakt eröffnet.

Es ist die Geburtsstunde eines Modells. Ägypten hofft auf neue Führungskräfte für Wissenschaft und Forschung, die deutsche Wissenschaft auf verstärkte internationale Anerkennung, die deutsche Wirtschaft auf ein Einfallstor in den bislang nur schwer einschätzbaren Markt in den arabischen Ländern. Deutschland und Ägypten, aber auch Europa und die arabische Welt rücken durch die GUC enger zusammen, sagt der ägyptische Botschafter Mohamed Al-Orabi.

Die Erwartungen sind hoch gesteckt. Eine moderne Hochschulausbildung auf internationalem Niveau soll geboten werden, sagt Prof. Hans Wolff. Er war bis zum 30. September Rektor der Ulmer Uni und einer der Hauptansprechpartner Mansours (41) in Deutschland. Sie haben viel geackert, ehrenamtlich, ohne Entgelt, seine Kollegen an den Hochschulen in Ulm und Stuttgart, um die Struktur für die GUC hinzubekommen, erzählt Wolff.

Wenn Mitte nächster Woche die ersten 700 Studenten in die neuen Hörsäle einziehen, werden dort auch zwei Professoren aus der Ulmer Uni fest angestellt sein, weitere fliegen regelmäßig zu Vorlesungen und Seminaren ein. Professoren aus Stuttgart, Mannheim und Tübingen arbeiten mit. An der neuen Uni werden die Vorlesungen in englischer Sprache gehalten, Deutschunterricht ist für alle Pflicht.

Die ersten 700 Studenten sind vor allem Ägypter, auch Interessierte aus arabischen Nachbarländern haben sich eingeschrieben, fünf Deutsche und zwei Amerikaner. Letztlich will die GUC aber vor allem die Besten. Mehr als 3500 bewarben sich um einen Platz, nach den strengen Auswahlverfahren blieben 700 übrig. In fünf Jahren sollen 5000 Studenten auf dem neuen Campus im Osten Kairos lernen und 400 Lehrkräfte, viele davon aus Deutschland, als Dozenten zur Verfügung stehen, sagt Uni-Gründer Mansour. An den Start geht die neue Uni nächste Woche mit den Studienfächern Pharma- und Biotechnologie, Medientechnologie, Informationstechnologie und Materialwissenschaften.

Das Projekt genießt bereits heute hohe internationale Aufmerksamkeit. Der ägyptische Staatspräsident Hosni Mubarak hat sich zum Eröffnungs-Festakt am Sonntag angesagt und Bundeskanzler Gerhard Schröder ist dabei, der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel, Wissenschaftsminister Peter Frankenberg und viele führende Wirtschaftsvertreter.

Wie die deutsche Wissenschaft von diesem Projekt profitiert? Sie rückt näher an die internationale Spitze heran. Ausländische Doktoranden sollen verstärkt an deutsche Hochschulen und umgekehrt. In einer globalisierten Welt kann die Wissenschaft nicht national denken, sagt Wolff. Der Image-Gewinn durch GUC ist enorm, die Verantwortung auch. Wenn die GUC erfolgreich ist, könnte das Modell auch in anderen arabischen Ländern Schule machen.

Aber jetzt geht es erst Mal um den ersten Bauabschnitt. Die GUC wartet auf Bundeskanzler Schröder und Staatspräsident Mubarak - und auf die ersten Studenten.

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