14-tägiges Kunst-Praktikum mitten im Leben
RuhrNachrichten, 20. März 2008, Lokalteil Hombruch
Katja arbeitet im Atelier Kaller
Löttringhausen. "Ach, mach dir doch nicht so viel Arbeit, Kind. Heute Nacht kommen die Sprüher, und dann sieht alles wieder genau so hässlich aus wie vorher."
Die 17-jhrige Katja absolviert ein Berufspraktikum im Atelier Kaller und wird während der Arbeit im Löttringhauser Fußgängertunnel von einem älteren Herren angesprochen: "Das ist alles zwecklos und vor allem auch rausgeschmissenes Steuergeld."
Eine Mutter mit Kind: "Endlich sind Sie gekommen und machen wieder alles schön. Meine Kinder hatten Angst, allein durch den Tunnel zu gehen!" Es bildet sich eine Gruppe von diskutierenden Menschen.
Katja schaut Hilfe suchend zu Robert Kaller, der augenzwinkernd in die illustre Runde lächelt: "Meine Damen und Herren, Sie wollen doch wohl nicht im Ernst den Sprayern diese Welt überlassen! Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich auch heute noch Leben, Licht und Farbe in diesen Tunnel bringen ..."
Alles lacht. Kaller: "Außerdem sind diese 'Sprayer' unsere Kinder, die kommen ja nicht vom Mars herunter. Hätten sie vernünftigen Kunstunterricht in den Schulen, sähe das alles vielleicht ganz anders aus..."
Beredtes Schweigen. "Wir hätten uns so etwas nicht getraut", betont kaum hörbar ein Mann, dessen Hund an einem Farbeimer schnuppert. "Schauen Sie", Kaller blickt ihm in die Augen, "dieser Tunnel ist für viele Jugendlichen der einzige Treffpunkt. Hier finden für sie wichtige Begegnungen statt."
Eine Gruppe von Kindern kommt aus der Langeloh-Grundschule. Sie freuen sich. "Das sieht jetzt aber wieder schön aus, Dankeschön Maler!", ruft ein Mädchen und strahlt Katja fröhlich an, die fleißig den Sockel weiter mit blauer Farbe streicht. -as
Die Kosten für die Renovierung tragen zu gleichen Teilen die DO- GEWO und das Tiefbauamt.
Der Artikel bezieht sich auf das Projekt: Fußgängertunnel Langeloh


