Gewichtige Kunst für alle Sinne
Mosaike in der Löttringhauser Galerie Robert Kaller
Ruhr-Nachrichten, Nummer 68, 12. Woche
Löttringhausen . Türkise aus Sinai, Lavagestein aus Lanzarote: Wenn Steine sich zu Bildern formen, dann erzählen sie ihre Geschichte.
Wenn Steine also "sprechen", dann ist beim Betrachter ein
intensives Engagement der Sinne unerlässlich. Hinsehen und
Zuhören, hier und da Anfassen und "Be-Greifen". In der Galerie
Robert Kaller in Löttringhausen ist die Kunst derzeit von
schwerem Gewicht. Dort sind Mosaike zu sehen, deren Ausdruck
und natürliche Farbigkeit Kraft und Können vereinen, und im Mai
in einem aufwändigen Kunstband auf Papier kommen.
Erste Eindrücke des neuen Buches gab es bereits in der
Löttringhauser Galerie bei einem Diavortrag über die Geschichte
der Mosaikkunst mit Materialien aus der Natur, den ein Künstler
hielt, der sich gerade in diesem Genre über Europa hinaus einen
Namen gemacht hat. Es ist der 87-jährige Ernst Bühler. Er ist
auch Herausgeber des Buches "Wenn Steine sprechen - Neue Wege
in der Mosaikkunst", das im Frühjahr im Verlag Haupt (Bern) und
dem Verlag "Freies Geistesleben" (Stuttgart) erscheint und für
das seine besten früheren Studenten, darunter Robert Kaller,
nun die Beiträge liefern. Für Bühler ist das Buch, im
DIN-A3-Format ein Testament seiner Arbeit und das seiner Schüler
aus den letzten 40 Jahren.
"Als Vorreiter in der Mosaikkunst mit Materialien aus der Natur
ist gerade Ernst Bühler bekannt", erklärt Robert Kaller beim
Rundgang durch die Galerie. Bühler, in den 40-er Jahren Direktor
einer Schule im schweizerischen Biel nahe Bern, beauftragte
damals für den Bau eines neuen Schulhauses den Mosaikbauer
Walter Eglini. Von dessen Arbeit mit den Natursteinen waren die
Schüler schnell begeistert, auch sie wollten Mosaike
bauen. Bühler selber war fasziniert. Er begann unter einfachsten
Bedingungen gemeinsam mit seinen Schülern, Mosaike zu gestalten
und suchte neue Materialien, die sich von den bis dahin üblichen
Glassteinen entfernten. Rosenquarz, Bergkristall, Granit,
Lavagestein, Jurakaik aus der Schweiz, Feuerstein von deutschen
Küsten und Türkise aus Sinai hielten nach und nach Einzug in die
Kunst, wurden gesammelt, bearbeitet, zu Bildern
zusammengefügt.
An der Alanus-Hochschule für Bildende Künste in. Bonn lernte
auch Robert Kaller am Anfang der 80-er Jahre den Künstler
kennen, der bereits seit 1935 an Verschiedenen Hochschulen
unterrichtete und bis heute noch als Dozent bei Pädagogischen
Seminaren und Kunsthochschulen aktiv ist. Kaller arbeitete bald
wie Bühler mit Schülern in der Mosaikkunst. Seine Arbeiten sind
in der Rudolf-Steiner-Schule in Brünninghausen, in den
Stadtsparkassen in Neuasseln und Derne, am Haus Ecke
Harkortstraße/Domänenstraße in Hombruch und bei "Hair Affair"
in Kirchhörde zu sehen. Arbeiten von Robert Kaller, Anette
Liedke und Johannes Vielmetter sind in der Galerie zur Zeit
ausgestellt, die alle ihre eigene Kraft und ihren eigenen
Ausdruck besitzen. So gibt es dort neben dem wunderschönen
Porträt eines Indianers auch dekorative Stücke mit
Gebrauchswert: Mosaike mit Spiegelelementen oder einem
eingearbeiteten nostalgischen Wasserhahn, das ein Schmuckstück
für jeden Garten ist.
Andrea Hunkemöller


