Skulpturenweg Dinslaken: Robert Kaller
Schicksalssuche zwischen Flammen, Wellen, Strudeln
Rheinische Post, 15. Nov. 2001 (Nr. 265)
Von RALF SCHREINER
DINSLAKEN. Kunst macht Arbeit, das wissen wir seit Karl Valentin. Schwere Kunst ist Schwerarbeit. Das wissen seit gestern drei Mitarbeiter des Baubetriebsamtes. Sie mussten mit anpacken, um Robert Kallers "Schicksalslandschaften" an der Außenwand des Dinslakener Rathausturms zu befestigen. Die Beton-Plastik des Dortmunder Künstlers bringt 250 Kilogramm auf die Waage. Bei aller Anstrengung verlief die Montage reibungslos. Nach 40 Minuten hing das Kunstwerk am Haken. Der Dinslakener Skulpturenweg nimmt Gestalt an.
Im Zentrum steht der Mensch
Robert Kaller hat dem Schicksal eine neue Form gegeben. Das sandfarbene Betonrelief ist eine Auftragsarbeit, die der Künstler für den Düsseldorfer Astrologen und Naturheilpraktiker Rüdiger Seikritt geschaffen hat. Es handelt sich um ein plastisches Tierkreisrelief zur konkreten Bearbeitung von Horoskopen. Im Zentrum steht der Mensch. Seine Arme sind ausgestreckt. Um ihn herum laufen auf hellblauen Blütenblättern alte Tierkreiszeichen. Hinter dem Blütenkranz wiegt und wogt es in Wellen, Flammen, spiralförmigen Strudeln, Erdverwerfungen, sanften Erhebungen. Alles strömt, alles fließt, alles ist in ständigem Wandel begriffen, und alles steht mit allem in Verbindung.
"Das Wichtigste für einen Menschen ist es, seine Gestalt zu finden", erklärt Robert Kaller. Sein Ich müsse er entwickeln, sich dorthin bringen, wo er zu sich selbst, zu dem, was er ist und darstellt, ja sagen kann. Der Künstler zeigt den Menschen im Spannungsfeld seiner zwölf Qualitäten. Vieles ist dabei allein über die Formensprache visualisiert. Das Unbestimmte, Unschlüssige des Fischs hat Kaller in feine Wellenlinien übersetzt. Die Erdverbundenheit des Stiers, seine Liebe nach geordneten Verhältnissen, klaren Absprachen spiegeln sich in einer Trutzburg. Und unter der ungestümen Kraft des Löwen wölbt sich kraftvoll der Beton nach außen. Erdzeichen, Feuerzeichen, Luft- und Wasserzeichen - Kallers Kunstwerk entfacht Schaulust. Und genau das soll es auch. "Ich möchte die Qualitäten des Menschen für jedermann erlebbar machen", sagt der Künstler. Das ordnende Prinzip ebenso wie die Visionen. Mit seinem Relief spreche er eine Einladung zu "einer liebevollen Betrachtung" aus.
Der Standort für das Kunstwerk ist gut gewählt. Tagsüber leuchtet es im Sonnenlicht, nachts wirft es geheimnisvolle Schatten. Der Scheinwerfer am Fuß des Rathausturms strahlt es direkt von unten an. "Auf die Wirkung bin ich gespannt", freut sich der Bildhauer.
Robert Kaller, 1958 in Neuss geboren, hat Malerei und Pädagogik studiert. Lehraufträge für Kunstgeschichte und bildende Kunst führten ihn nach Kiel, Graz und Dortmund. Als freier Künstler hat er sich seit 1983 mit Aufträgen im In- und Ausland einen Namen gemacht. 1994 eröffnete er in Dortmund ein Atelier für Kunst im Bau.


