Gefühle, Raum und Wirkung - Licht und Farbe
- Dr. phil. Robert Kaller

- 8. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Apr.
"Farben sind Gedanken des Herzens"
(Liane Collot d’Herbois)
In unserer mehr und mehr technisch orientierten Welt hat die Kunst die Aufgabe unseren emotionalen Bedürfnissen gerecht zu werden. Die Frage nach dem Geist und der Seele unserer Architektur über die technischen Errungenschaften hinaus, führt uns zu Vokabeln wie Atmosphäre, Inspiration und Kreativität. Wer diese Frage stellt, landet automatisch auch bei dem Thema ‚Farbe‘.
Farbe ist die Sprache des Lichtes und das Medium mit der stärksten Verwandlungskraft, denn Farben verwandeln alles was sie berühren, sie sind der Ursprung der Schönheit.
Gefühlswelt und Farbe
Wir können Farben und Licht als Sinnesempfindungen begreifen, psychologisch als Gefühlswerte, physikalisch als elektromagnetische Schwingungen und chemisch als Farbstoff. Das hat weitreichende Konsequenzen für die Licht- und Raumgestaltung.
Gravierender ist noch, dass der Mensch innerlich nachbildet was er sieht. Bei Kindern sind Sinneseindrücke bei der Organbildung beteiligt und bei Erwachsenen sind die Einflüsse dieses „intentionalen“ Sehens nachweisbar. Farbsehen und Farbentstehung sind somit alltägliche dynamische und wirksame Prozesse. In der ‚Helios Studie‘ konnte bspw. nachgewiesen werden, dass die bewusste Anwendung von Farbklängen in Krankenhäusern zu einer deutlichen Verringerung des Medikamenten-Einsatzes führt.
Der Sehsinn ist der umfassendste Sinn und ohne Licht und Farbe an den Dingen wäre die Welt dem Auge ein Nichts. Das Auge dient uns als Vermittler der Reize, die über die Hypophyse direkt auf das vegetative Nervensystem wirkt und auf die hormonalen Prozesse im Organismus einwirkt.
Lichtoffene Farbigkeit
Die Schönheit der Farbe stellt ein kompliziertes Wechselspiel von Präsenz und Absenz dar, eine Farbe ist nie allein, da jede Farbe durch die Wechselwirkung mit anderen Farben entsteht. Farbe bewegt sich immer in einem Zusammenhang, der sich in ständiger Bewegung befindet, ein permanentes Heller und Dunkler werden. Die Funktionsdynamik unseres Farb- und Lichtsinnes ist immer ein Suchen nach Relationen und ein Kontrastieren des Gegenpols. So entspringt aus einer Farbe immer auch die Gegenfarbe: Blau ist nicht nur Blau, Rot nicht nur Rot sondern im Lichtglanz entstehen auch Grün, Violett und Gelb. Bereits die Künstler des Impressionismus waren fasziniert von dem Versuch, diese Farbschwingungen in ihren Werken einzufangen.
Ich habe mich mit diesem Phänomenen in meinem Studium der Malerei und während meiner nahezu 40jährigen Tätigkeit als Baukünstler intensiv beschäftigt. In jahrzehntelanger Arbeitsweise und Anwendung von Farben bei der Gestaltung von Schulen, Kindergärten, Privathäusern, Kliniken, Praxen und Hausfassaden habe ich eine farbdynamische Lasurtechnik entwickelt. Dabei handelt es sich um Schichtmalerei auf Wand- und Deckenflächen, dem Aquarell verwandt. Trifft ein Lichtstrahl die natürliche Frequenz eines Objekts, dann ändert sich die Schwingung und der Lichtstrahl geht diese Veränderung ein. Was nach außen reflektiert wird, ist die Farbe des Objekts.
Wendet man diese Kenntnisse konsequent bei der Gestaltung von Räumen an, so entsteht eine ‚lichtoffene‘ Atmosphäre, die Wände leicht und bewegt erscheinen lässt und bei der sich bei wechselnden Lichtverhältnissen die Stimmungen verwandeln. Diese ‚lichtoffene Farbigkeit‘ lässt sich unvergleichlich vielfältig zur Ausführung bringen, in fließenden Farbübergängen bis hin zu dezidierter Formaussage. Ihre besondere Möglichkeit zeigt sich aber in der Art wie architektonische Strukturen aufgegriffen werden können.
Bei der farbdynamischen Gestaltung einer Schule spielen alle Wirkungen der Farben eine Rolle, die Wärme des Empfangs, die Konzentration im Fachraum, die Dynamik der Flure und die Orientierbarkeit und Verbindung aller Flächen in einem farbdynamischen Prozess.
Wir alle tragen in uns einen allgemeinen seelischen Farbenkreis, von dem wir alles Farbige um uns herum in seiner Gefühlsqualität erleben und aus dessen Qualität heraus wir auch unsere Gefühle zum Ausdruck bringen.
Die bewusste Anwendung dieser Kenntnisse und Erfahrungen führt dazu, dass den Menschen baukünstlerisch Stimmungen umgeben, die dem jeweiligen Raum und seinen Funktionen entsprechen. Gezielt und bewusst wende ich diese Wirkungen bei der Gestaltung an, die ich in meinen Farbkonzepten detailliert begründe und erläutere.
Dr. phil. | Master of Fine Arts
Robert Kaller





















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